WJ Interview


Viele Unternehmer stehen in diesen Zeiten vor unwägbaren Herausforderungen, die nur durch Kreativität und Durchhaltevermögen zu stemmen sind. In unserer neuen Serie stellen wir Firmen und Persönlichkeiten der WJ vor, die sich von der Corona-Krise nicht unterkriegen lassen. Alle 2 Wochen möchten wir Euch mit einem Profil inspirieren, den Blick nach vorne zu werfen und Euer Unternehmen für die anhaltende Krise zu rüsten. 

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Kaffee + Freiburg = Christian Widera

Der Name più caffè hat seine Wurzeln im Italienischen und bedeutet so viel wie „Das Plus an Kaffee“. Mit Sitz in der March ist das Unternehmen der regionale Platzhirsch in Sachen Kaffee, Vollautomaten und Zubehör für Unternehmen und Gastronomie. Was Microsoft, Apple und Piu Caffè gemeinsam haben, warum sich langjährige Lieferbeziehungen auszahlen und wie schweizer Kaffee in die March kommt lest ihr diese Woche im Interview mit Christian Widera (im Bild rechts), Geschäftsführer der piu caffè Deutschland GmbH.
Christian, Euer Name „più caffè“ kommt ursprünglich aus dem Italienischen. Wie kommt ein Kaffee-Spezialist mit italienischem Namen in die March?
Alles begann ursprünglich mit dem Import von Motorrädern nach Deutschland, noch vor den 2000’ern. Damals gab es nicht nur irre laute Motorräder, sondern auch – damals – schweine-laute Kaffeemaschinen in Italien, für die sich ein Markt in Deutschland öffnete. Mein Partner Clemens Fuchs hatte damals zusammen mit seinem Co-Gründer zunächst Vollautomaten, später Kaffee in ganzen Bohnen importiert, geröstet in der Schweiz. 2003 wurde più caffè als GmbH gegründet, aus einer Garage in der March. Microsoft Garage, Apple Garage, Piu Caffè – man kennt sich (lacht).

Kaffee geht immer – meint man eigentlich. Wie seid Ihr bislang durch 2020 gekommen?
Na ja, der März war eigentlich einer unserer besten Monate – dann kam Corona. 60% unseres Umsatzes geht an gewerbliche Kunden. Wir bieten das Komplettpaket: Maschinen, Service, Wartung, Kaffee, Tee, Wasser. Dieser Bereich brach während des ersten Lockdowns stark ein, sodass wir nur noch auf ca. 50% unseres Umsatzes kamen. Kaffee wurde noch getrunken, nur eben weniger im Büro, sondern mehr im Homeoffice – und nicht unbedingt unserer.
 
Habt Ihr auch Corona-Hilfen in Anspruch genommen? Hättet ihr Euch als Unternehmen noch weitere Unterstützung gewünscht?
Im Endeffekt ist es bei uns Stand glimpflich abgelaufen, glücklicherweise, noch. Auch wir haben Hilfen in Anspruch genommen, jede Hilfe muss eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Wir haben einen KfW-Kredit in Anspruch genommen und uns um Corona-Soforthilfen bemüht – das war schon hilfreich. Kurzarbeit hatten wir versucht, gerade im Service war genug Arbeit vorhanden und wir konnten unsere Kunden nicht im Stich lassen. Im Verkauf kam es zu Kurzarbeit, aber wir haben allen unseren Mitarbeitern auf 100% aufgestockt. Und Kredite müssen natürlich zurückbezahlt werden, das ist klar.

Hattet Ihr mit Lieferschwierigkeiten aufgrund der Corona-Pandemie seitens Eurer Lieferanten zu kämpfen?
Wir haben eine langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Vorlieferanten. Maschinenseitig sind wir sehr gut aufgestellt durch unsere Direktkontakte nach Italien. Ersatzteile haben wir immer vorrätig, damit wir schnell reagieren können, sowohl hier am Lager, als auch in den Fahrzeugen unserer Techniker – da konnten wir einiges abpuffern. Beim Kaffee arbeiten wir mit unserer Rösterei in der Schweiz, mit der das Geschäft in den Anfangszeiten aufgezogen wurde. Das ist immer ein Geben und Nehmen, gerade in schwierigeren Zeiten. Unser Kaffee am Lager ist nie älter als zwei Monate, da der Absatz zurück ging, konnten wir uns ganz gut durchmogeln.

Gab es sonst irgendwelche Maßnahmen, die Ihr speziell in der Corona-Zeit umgesetzt habt?
Unsere Techniker haben in der Anfangszeit des ersten Lockdowns viele Wartungen vorgezogen, diese waren durch wenig Betrieb in den Unternehmen gut durchführbar. Wir haben uns konsequent auf das Kerngeschäft fokussiert, ertragsorientiert gewirtschaftet, umstrukturiert, mehr Verantwortung in die Abteilungen gegeben, das Lager optimiert, Kundenkontakt intensiviert, quasi auf die Basics zurückbesinnt, „old school“. Wir haben diese Zeit genutzt, um an unserer Techniker-App zu arbeiten, um den Service an unseren Kunden zu verbessern. Wir werden auch weiter an der Verbesserung von Servicethemen arbeiten – hier sehen wir unsere Stärken.

Um mit etwas Positiven abzuschließen: Was stimmt Dich hoffnungsvoll in Bezug auf 2021?
Ich sage immer, die Guten werden überleben! Wie 2021 laufen wird, weiß ich auch nicht, aber irgendwie wird es gehen. Jeder Unternehmer muss sich irgendwo bewegen, die „Hosen wackeln lassen“, sich mit anderen Unternehmern austauschen, sein Netzwerk nutzen. Es bringt zwar nichts mit einer rosaroten Brille durchs Leben zu gehen als Unternehmer, aber wir müssen auch nicht schwarzmalen. Die Zahlen müssen wir im Griff haben und auch wir haben verschiedene Szenarios durchgerechnet, eine Art Plan B entwickelt und irgendwann stehen vielleicht auch für uns schwierige Entscheidungen an. Andere Branchen wurden da natürlich viel viel härter getroffen, Messebau, Gastronomie, ... Aber trotzdem, es gibt jede Menge gute Unternehmer, die ihre Dinge im Griff haben und jetzt schon beeindruckendes geleistet haben. Positives säen, Positives ernten. In der Krise werden Helden geboren.

Vielen Dank für das Gespräch, Christian!

Das Interview führten Wolfgang Packi, Lisa Gross, Stefan Duncker.
(veröffentlicht: 23. Dezember 2020)


For drinks bei Alixe Winter

Seit 1997 ist die Alte Wache die Institution für die badische Weinkultur in Freiburg. Dank der guten geografischen Lage, direkt neben dem Münster, zieht das „Haus der badischen Weine“ jährlich zahlreiche Touristen an. Alixe Winter ist seit der Eröffnung Geschäftsführerin und erzählt uns welche Herausforderungen die Alte Wache - neben Corona – im Jahr 2020 zu bewältigen hatte.



Alixe, die Alte Wache gibt es bereits seit 1997, abgesehen von Corona sollte 2020 ein besonderes Jahr für Euch werden. Warum?

Die Entwicklung der Alten Wache war in den letzten 10 Jahren enorm. Gerade in den Bereichen Verkauf und Weinausschank haben wir stark zugelegt. Wir sind gewachsen. Die Fläche, die uns ursprünglich zur Verfügung stand, reichte nun nicht mehr aus, also haben wir entschieden, das Konzept neu zu überdenken und komplett umzubauen.

Wie lange war der Planungsvorlauf?

Die Planungsphase ging über 3 Jahre. Zunächst war eine kleine Lösung angedacht. Wir hatten Glück: Wir sind in den Händen einer sehr guten Agentur gelandet. Bevor es an die tatsächliche Planung ging, hat die Agentur zuallererst mit uns ermittelt, wofür die Alte Wache steht und was der Kern der Marke ist. 

Und dann habt ihr größer gedacht?

Genau, als Alte Wache sind wir quasi das "Tor zum badischen Wein" und auch als Marke Alte Wache zumindest in Freiburg sehr bekannt. Wir haben unser Logo überarbeitet und den Slogan "kostbar badisch" entwickelt. Dieses Selbstverständnis haben wir in die Gestaltung und die Architektur der Alten Wache einfließen lassen. Im unteren Bereich spielen wir das Thema "Weinterrasse", modern mit barrierefreiem Zugang. Es ist symbolisch der barrierefreie Zugang zu der Produktwelt "Wein". Unser Bereich im Erdgeschoss weist ein reduziertes Sortiment auf, mit einfachem Zugang für die Kunden zu unserem Angebot:  Einheitliche Etiketten, hochwertige Terrassenqualität, Weine die keiner großen Erklärung bedürfen, mit dem Fokus auf klar gekennzeichnete Rebsorten. 

Wie sieht der obere Bereich aus?

Im Obergeschoss ist die Auswahl deutlich breiter, hier wollen wir dem Anspruch gerecht werden, das "Schaufenster der badischen Weine" zu sein ? gleichzeitig unkompliziert gehalten. Hier sind die Kategorien dem Kunden farblich erklärbar gemacht. Mit spielerischem Umgang kann sich der Kunde informieren und orientieren. Hier oben ist unser "Wohnzimmer des Weins", die Seele der Alten Wache. Die Weinqualität ist im Obergeschoss nicht zwingend im Gesamtanspruch, aber doch noch hochwertiger als im Erdgeschoss, es handelt sich um unterschiedliche Inszenierungen, ganz bewusst.

Wie habt ihr den Lockdown erlebt?

Wir mussten pünktlich zum Stadtjubiläum am 19. März 2020 eröffnen. Das war die Auflage der Stadt. Wir hatten nur drei Monate für den kompletten Umbau. Das war sehr knapp bemessen, alle Arbeiten mussten gleichzeitig passieren. Das war eine spannende Zeit und wir haben diese Herausforderung gemeinsam hervorragend gemeistert. Doch dann kam am 13. März der Lockdown, das war vom Timing her unglücklich. Wir waren sehr glücklich, als wir die neuen Türen der Alten Wache im Sommer 2020 endlich wieder öffnen durften.

Wie war die Reaktion der Kunden?

... rührend, teilweise mit Tränen in den Augen. Nach drei Monaten Umbau waren die Kunden sehr froh, überhaupt wieder in die Alte Wache kommen zu können. Vor Corona haben wir unser neues Konzept des "Badischen Viertele" geplant, welches wir nun geschlossen in der Flasche anbieten, auch in der To-Go-Variante. Das Badische Viertele kommt sehr gut an. Im Nachhinein und hinsichtlich der aktuellen Situation, ist dieses Konzept in mehrfacher Hinsicht ein voller Erfolg. Wir sind sehr dankbar, dass die Freiburger uns die Treue halten, die Touristen fehlen uns dennoch spürbar.

Welche Rolle spielt der Online-Shop während der Coronakrise?

Unsere Fokussierung lag vorrangig auf den Umbau, die Einführung des Online-Shops war zu einem späteren Zeitpunkt angedacht. Gerade jetzt ist die Nachfrage unserer Kunden sehr groß online bestellen zu können. Situationsbedingt sind wir nun dabei unser Sortiment vorverlegt online auszubauen. Pünktlich zum ersten Advent sind wir stolz unseren neuen Premium-Glühwein, die "Winter-Marie", im neuen Online-Shop der Alten Wache anbieten zu dürfen. Die Winter-Marie gibt es auch in der alkoholfreien Variante, ursprünglich extra für den Freiburger Weihnachtsmarkt 2020 entwickelt.

Wie sehen Eure Aussichten aus? 

Natürlich hoffen wir alle - über den reinen Einzelhandel hinaus - bald wieder komplett öffnen zu dürfen. 

Das neue Konzept hat sich in der kurzen Zeit im Umsatz bemerkbar gemacht. Die Qualität der Alten Wache hat sich in der Atmosphäre stark weiterentwickelt. Der Umbau kam gerade noch rechtzeitig, heute hätten wir eine solche Entscheidung sicherlich verschoben. Ich bin dadurch zuversichtlich und vor allem stolz das "Haus der Freiburger" zu sein. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Freiburger/innen, die uns weiterhin die Treue halten. 

Vielen Dank für das Gespräch, Alixe!

Das Interview führten Wolfgang Packi, Lisa Gross & Stefan Duncker. 
(veröffentlicht: 8. Dezember 2020)


Mr. Messe: Ralf Brotte

Die Corona-Krise hat die Messebau-Branche besonders stark getroffen. Was ein Messebauspezialist in einem Jahr ganz ohne Messen macht, warum Kreativität sich in der Krise auszahlt und inwiefern sich die Messe-Welt nach Corona verändern kann erzählt uns Ralf Brotte, Inhaber und Geschäftsführer von Externe Messeabteilung, einem international tätigen Messebauunternehmen mit Sitz in Denzlingen. Am Standort werden hochwertige Messestände designt und produziert und im In- und Ausland für die jeweiligen Fachmessen aufgebaut.




Die Messewirtschaft ist eine der führenden Dienstleistungsbranchen in Deutschland. Ralf, an wie vielen Messen arbeitet ihr normalerweise pro Jahr und mit welchen Kunden?
Wir realisieren jährlich um die 100 Messen. Unsere Kunden kommen aus verschiedensten Branchen, hauptsächlich B2B. Wir versuchen nach Branchen und Messen relativ breit zu streuen, von Elektrotechnik über Pharma-, Automobil-, Lebensmittelindustrie?

Wann wurde Euch klar, dass für das Jahr 2020 alle Messen abgesagt werden? Wie schnell konntet ihr einen Plan entwerfen, wie Ihr damit umgeht?
Bereits im Januar hat es sich für mich abgezeichnet. Um den 26. Februar wurden plötzlich alle laufenden Messen abgesagt. Wir hatten hier vier Messestände im Aufbau, die allesamt storniert wurden. Danach folgte erst einmal eine kurze Zeit, in der wir uns sammeln mussten. Es wurde schnell klar, dass unseren Mitarbeitern sprichwörtlich die Decke auf den Kopf zu fallen drohte. Also haben wir begonnen neue Ideen zu erarbeiten.

Welche Ideen habt Ihr umgesetzt?
Zum einen sind wir in die Produktion von Plexiglas-Systemen eingestiegen. Begonnen hatte dies mit einem regionalen Edekaner: Wir haben maßgeschneiderte Lösungen für den Kassenbereich entworfen und produziert. Das hat sich dann recht schnell herumgesprochen und wir haben innerhalb weniger Wochen rund 300 Kassen ausgestattet. Danach kamen Metzger, Fachhandel, Ärzte, Schulen?

Und stieg die Nachfrage stetig weiter?
Nach einigen Wochen lief plötzlich nichts mehr. Erst Anfang September ging es wieder los mit der Nachfrage. Allerdings gab es dann schon deutlich mehr Konkurrenz mit Standardlösungen und wir haben durch unsere eigene Schreinerei auf 90-95% Industriegeschäft umgeschwenkt. Wir sind in der Lage innerhalb von drei Werktagen Spezialanfertigungen und passgenaue Lösungen für unsere Kunden in Deutschland zu liefern.

Ist es denkbar, mit diesem Geschäftsmodell Eure Kosten zu decken?
Leider nein. Die Fixkosten werden nicht weniger und können durch das reduzierte Geschäft nicht gedeckt werden. Kurz an einem Beispiel erklärt: Angenommen Du hast einen Lebensmittelmarkt und darfst plötzlich nur noch Getränke verkaufen?

Plexiglas war nicht Eure einzige Idee. Wir sind hier in Eurem neuen Studio, welche Idee steckt dahinter?
Bereits im Mai haben wir festgestellt, dass einige unserer Kunden verstärkt Webinare anboten. Diese waren allerdings qualitativ auf recht niedrigem Niveau produziert. Einige Webinare hatten wir zunächst konzipiert, dann schnell gemerkt, dass es einen Bedarf für professionelle Produktionen gibt. Seien es Webinare, Online-Streamings oder Raum in dem Fotografen und Videografen optimal auf höchstem Niveau arbeiten können. Als Messebauer schaffen wir Räume! Wir haben insgesamt einen 6-stelligen Betrag in das Studio investiert, professionelle hochmodernste Beleuchtungsanlagen, Green Screen, jegliche optische und akustische Infrastruktur, Datenschutzkonzept, Starkstrom, abbruchsicherer Streaming-Service,...

Und die bisherige Resonanz?
Es läuft gut. Wir werden demnächst für eine internationale 10-Tage-Produktion gebucht. Die Beleuchtungsanlage kann verschiedenste Kelvin-Bereiche abdecken: Farben, Kamingespräch, Blaulicht-Simulation. Wir hoffen, dass auch nach Corona der Bedarf weiterhin besteht. In Zukunft wollen wir verstärkt fertige Preismodelle für Produktionen unserer Kunden anbieten. Selbst werden wir allerdings nicht produzieren.

Was denkt Du, Ralf, ab wann werdet ihr Euch auf das Kerngeschäft Messeevents wieder konzentrieren können?
Wir glauben, dass ab Mitte 2021 eine Normalisierung kommt. Corona wird bleiben, aber ich denke, wir werden lernen damit zu leben. Ab 2022 hoffen wir auf Wachstum. Menschen wollen weiter Geschäfte miteinander machen. Persönlich. Es geht um Vertrauen, um das Erlebnis mit unterschiedlichen Menschen vor Ort zu sprechen. Online-Events können das einfach nicht leisten.

Aus Sicht einer Messebau-Firma: Wie effektiv waren die Corona-Hilfen, die von Bund und Land angeboten wurden?
Die Kurzarbeit ist ein recht gutes Tool gewesen. Das hilft jedoch nicht die Fixkosten abzudecken. Unterstützend helfen KfW-Kredite, diese müssen jedoch irgendwie zurückbezahlt werden. Der Veranstaltungsbereich hat leider keine richtige Lobby. In der Messebranche gibt es viele Solo-Selbstständige, die sich "selbst vermieten". Die trifft es knüppelhart. Als Unternehmen hat man oft immerhin gewisse Reserven und Ressourcen für kreative Ideen ? wir lassen uns da nicht so schnell unterkriegen!


Vielen Dank für das Gespräch, Ralf!


Das Interview führten Wolfgang Packi, Lisa Gross, Stefan Duncker.
(veröffentlicht: 1. Dezember 2020)




Willi "The Magic Man" Auerbach

Willi Auerbach lebt in Waldkirch und arbeitet auf der ganzen Welt. Er ist gelernter Industriemechaniker, studierter Dipl. Medien Ingenieur und - seit er irgendwann in Florida in einen Zauberladen lief - hauptberuflich Magier, Illusionist und Showman. Nebenher führt er eine Agentur für Künstlervermittlung und produziert für Künstler-Kollegen.

Im folgenden Interview lest ihr, warum ein Magier eine Werkstatt braucht, und was ein Zauberer während eines Lockdowns so treibt.



Willi, du bist als Zauberer eine Art lokaler Celebrity. Woher kennt man dich als Freiburger und Nicht-Freiburger?

(Lacht) Na ja, das mit dem ?Celebrity? halte ich für stark übertrieben. Man kennt mich vermutlich am ehesten über den ein oder anderen Auftritt oder Medienberichterstattung.

Und in der Zauberwelt, Du warst z.B. bei den deutschen Meisterschaften?

Ja wir haben uns über die deutschen Meisterschaften sogar für die Weltmeisterschaften in Süd-Korea qualifiziert.

Wie viele Shows machst du normalerweise pro Jahr?

Rein an Zaubershows sind es normalerweise so ca. 60-70 Shows pro Jahr, hängt aber sehr stark von der Jahreszeit ab. Vor allem im Dezember und Januar können schon einmal 20-30 Shows zusammenkommen.

Und was macht ein Zauberer nun also während Corona?

Dieses Jahr steht der Dezember bei uns derzeit auf Null. Es gibt hier und da einige verwaiste Anfragen, die je nach Lockdown-Lage vielleicht wahrgenommen werden können. Die Shows, die wir 2020 durchführen durften, unterschieden sich enorm von unserem gewohnten Programmablauf: Statt abendfüllender Events und Equipment, welches mit einen 7 1?2 Tonner transportiert wird, waren es kleine Solo-Programme.

Stichwort: Equipment. Wir sind hier in deiner Werkstatt. Wofür braucht ein Zauberer eine Werkstatt?

Ich baue meine Illusionen selbst. Ich habe drei Standbeine, wobei die Shows ca. 80% des Umsatzes ausmachen. Die letzten 20% verteilen sich auf die Beratung und den Illusionsbau, was ich hier vor allem auch für andere Zauberkünstler mache. Zudem habe ich noch eine Künstleragentur, in der ich Kollegen und neue Künstler vermittle.

Hast du die Zeit des Lockdowns für neue Projekte und Illusionen nutzen können?

Tatsächlich arbeite ich schon seit ca. einem dreiviertel Jahr an einem neuen Projekt, das aber noch geheim ist (lacht), in dem sicherlich etliche hundert Arbeitsstunden drinstecken Zeit ist das, was ich aktuell investieren kann.

Es gab 2020 viel Kritik an der Bundesregierung, wie ist deine Einschätzung hierzu?

In Baden-Württemberg sind wir gut über die Runden gekommen. Wir haben eine Soforthilfe für 6 Monate erhalten, die auch für Nicht-Betriebsausgaben zur Verfügung stand. Künstler in anderen Bundesländern haben lediglich Betriebsausgaben erstattet bekommen. Gerade Künstler, die keine großen laufenden Kosten haben, hat es in anderen Bundesländern hart getroffen. Oft hat es dazu geführt, dass sie sofort in Harz IV getrieben wurden. Für Künstler ein Schlag ins Gesicht! In Baden- Württemberg wurde das gut gelöst. Grundsätzlich ist jeder Selbständige selbst in der Pflicht, sich einen finanziellen Puffer zu erarbeiten. Es kann auch immer andere Gründe geben für einen Verdienstausfall.

Zukunft: Denkst du die Zauberbranche wird durch Online-Auftritte mehr Relevanz in den neuen Medien bekommen?

Meine Meinung ist, dass Online nie eine Live-Varieté-Show ersetzen können wird. Die dynamische Stimmung, die Interaktion und das Entertainment ist einfach nicht das Gleiche. Ob und wie sich mit Online-Formaten in der Kunstbranche Geld verdienen lässt, ist noch eine ganz andere Frage.

Um mit etwas Positivem zu schließen: Gab es 2020 trotzdem ein Highlight für dich?

Wir haben in Moosburg in Bayern im Sommer eine Großillusionsshow mit 160 Zuschauern stattfinden lassen können. Für uns war das ein Highlight, weil wir unheimlich froh waren, endlich wieder einmal vor größerem Publikum auftreten zu treten. Und die Stimmung war Mega, das war ein sehr schöner Moment.

Vielen Dank für das Gespräch, Willi!

Das Interview führten Wolfgang Packi, Lisa Gross, Stefan Duncker.

(veröffentlicht: 17. November 2020)



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